Lügen im Rollenspiel

Nahezu jederzeit sitzen alle Teilnehmer am Tisch und erfahren was in der Spielwelt passiert. Spieler und Spielleiter müssen im Laufe der Zeit lernen ihr Wissen zu unterteilen, denn die Spielfiguren wissen meist wesentlich weniger als diejenigen die sie ausspielen. Im Fokus dieses Artikels steht das Erkennen einer Lüge und der Umgang mit dieser Information.

Zielgruppe sind Rollenspielsysteme und -runden in denen zur Einschätzung einer Figur/Aussage ein entsprechender Mechanismus existiert und angewendet wird.

Wann sollte eine Probe gewürfel werden?

Wenn es Grund zur Annahme einer Lüge gibt.

Sieht auf den ersten Blick trivial aus und im Grunde ist es dieser Grundsatz auch. Der Clou liegt wie so oft darin, ausschließlich aus der Perspektive eurer Figur zu handeln – ob ihr als Spieler oder SL über eine Lüge bescheid wisst ist irrelevant. Ein Beispiel:

Figur B befindet sich alleine im Nebenraum und fertigt eine Liste der Titel der dort aufgestapelten Bücher an. Anschließend geht sie zurück in den Raum von Figur A. Diese fragt: „Hast du etwas interessantes gefunden?“, worauf Figur B antwortet: „Leider nicht“.

Natürlich wissen alle am Spieltisch, dass das gelogen ist. Wie so oft kommt es im Rollenspiel sehr auf die konkrete Situation an, doch grundsätzlich würde ich als Spieler von Figur A nicht an der Antwort zweifeln und daher auch keine Probe durchführen um die Lüge zu erkennen.

Ist es eine Lüge oder die Wahrheit?

Im Grunde ist es ganz einfach: prüft jemand die Aussage eines anderen und besteht die Probe erfolgreich, erfährt er was es wirklich ist; ansonsten das Gegenteil. Grafisch sieht diese Logik so aus:

wahrheit-lügeDas Schema ist bewusst grob gehalten, denn wie das Ergebnis zu interpretieren ist erläutert der folgende Abschnitt.

Glaube, Überzeugung, Wissen

Die Würfel sind gefallen und das Ergebnis fällt zu ungunsten einer Spielfigur aus. In diesem Fall gibt es mehrere Abstufungen, je nach dem wie die Probe ausfällt:

1.) Figur A ist unsicher ob Figur B die Wahrheit spricht.
2.) Figur A glaubt, dass Figur B lügt.
3.) Figur A ist davon überzeugt, dass Figur B lügt.

Absolut unmöglich ist dieser Fall:

Figur A weiß, dass Figur B lügt.

Der letzte Fall kann niemals durch eine Würfelprobe auf eine Fertigkeit herbeigeführt werden, die auf Bauchgefühl/Empathie basiert, denn für Wissen ist ein Beleg beliebiger Form zwingend erforderlich!
Selbstverständlich darf eine Figur: „Ich weiß, dass du lügst“, sagen ;)

Die Konstellationen

Zum Abschluss des Artikels betrachten wir die drei grundlegenden Konstellationen wer wen belügt und wie sich dies äußern kann.

NSC belügt SC

Meistens kennt allein der SL die Wahrheit. Dem Ergebnis der Probe zur Prüfung der Aussage wird bis auf Weiteres geglaubt – sofern überhaupt jemand eine Probe durchführt. Interessanterweise ist dies der einzige Fall mit einem Erfolgserlebnis sollte die Lüge auffliegen; sogar für den SL.

SC belügt NSC

Anders als zuvor kennen beide (Spieler & SL) die Wahrheit. Der Spielleiter sollte tunlichst den o.g. Grundsatz einhalten und nur dann eine Probe fordern, sollte es aus Sicht des NSC Sinn ergeben. Jedes Mal eine Probe zu fordern wenn ein SC einen NSC belügt, jedoch nur auf Ansage von Spielern wenn ein NSC einen SC belügt, zerstört das Gleichgewicht und ruiniert ein gutes Spielgefühl.

SC belügt SC

Meiner Erfahrung nach tritt dieser Fall am seltensten ein, da in den meisten Rollenspielsystemen die Spieler als Gruppe zusammenspielen – dennoch kommt es vor. Da beide Spieler die Wahrheit kennen ist größte Konzentration vonnöten: Er lügt nicht dich an, sondern seine Spielfigur die deine.

Ein Gedanke zu „Lügen im Rollenspiel“

  1. Insgesamt gute Überlegungen!
    Die Unterscheidung zwischen „Überzeugung“ und „Wissen“ halte ich hier für die Rollenspielpraxis jedoch für müßig. Subjektiv, aus Charaktersicht ist es egal, ob der Charakter über ein „positives Wissen“ darüber verfügt, dass jemand lügt oder davon überzeugt ist (oder „sich sicher“ ist). Der Charakter „erkennt“ bzw. „bemerkt“, dass jemand lügt. Er würde jetzt wohl subjektiv sagen „Ich weiß, dass er lügt“ oder auch: „Ich bin mir sicher, dass er lügt“. Ein vorsichtigerer Charakter könnte aber auch sagen: „Ich bin davon überzeugt, dass er lügt.“ Die Konsequenz ist die gleiche: Der Charakter wird dem Gegenüber misstrauen und nach seinem Kenntnisstand handeln und Konsequenzen ziehen.
    Alles weitere ist eher eine metaphysische Frage danach, was man wissen kann oder was Wissen ist und hat kaum praktische Relevanz. Auch wenn es interessant ist. ^^

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